Ein Interview mit Luca Tucciarone, dem Chef von Terme di Vulci Glamping & Spa und NOBA Hotels and Residences.
R: Könntest du uns zu Beginn ein bisschen was über dich und deinen Werdegang erzählen, wie du zum Direktor von Terme di Vulci Glamping & Spa und vor kurzem auch von NOBA Hotels and Residences geworden bist?
L: Meine Reise begann am Professional Hotel Institute in Rom, weil ich mich total für Luxushotels begeistere und das elegante Ambiente und die internationale Kundschaft mich echt angesprochen haben. Mit 15 habe ich ein Praktikum im Saint Regis gemacht, was meine Begeisterung für die Hotellerie-Branche noch verstärkt hat.
Nachdem ich in Rom in der Gastronomie gearbeitet hatte, bin ich nach London gezogen, wo ich Englisch gelernt und weiter in der Branche gearbeitet habe. Als ich nach Rom zurückkam, habe ich als Rezeptionist neue Erfahrung gesammelt und nach und nach mehr Verantwortung übernommen, zum Beispiel als Leiter der Rezeption und Assistent.
Meine erste Führungsposition hatte ich in einem Accor-Hotel in Genua, eine wichtige Erfahrung, die mich dazu brachte, in mehreren italienischen Städten zu arbeiten, darunter Florenz, Mailand, Rovereto und Varese. Bei Fresia Hotels Resort habe ich die Herausforderung angenommen, Terme di Vulci zu leiten und ein noch junges Projekt zu einem echten Erfolg zu machen. Heute leite ich bei NOBA eine städtische Einrichtung, die andere, aber genauso anspruchsvolle Strategien braucht.
R: Terme di Vulci Glamping & Spa ist zu einem Maßstab in der Glamping-Branche geworden. Was denkst du darüber? Was sind deiner Meinung nach die einzigartigen Aspekte deiner Anlage, die zu deinem Erfolg beigetragen haben? Hast du sozusagen ein “grünes” Projekt für Glamping und Spa? Kannst du uns erzählen, wie du nachhaltige Praktiken in NOBA integriert hast?
L: Unsere Glamping-Anlage ist die einzige in Italien, die die Konzepte “Glamour” und “Camping” perfekt miteinander verbindet. Diese innovative Idee entstand aus der Vision der Unterkunft. Nach einer langen Phase der Analyse und Untersuchung fanden wir kreative Lösungen, um die baulichen Einschränkungen des Geländes zu überwinden, indem wir uns für die Installation von Zelten entschieden.
Unsere Zelte sind echt schick eingerichtet und haben alles, was man braucht: eigenes Bad, Restaurant, Spa, Whirlpool, Sauna und Dampfbad – eine echt einzigartige Erfahrung. Anders als bei anderen Glamping-Angeboten gibt's bei uns auch Badewannen mit Thermalwasser, was uns in Italien ziemlich einzigartig macht. Außerdem serviert unser Restaurant lokale Produkte und wir bieten Aktivitäten in der Natur an, wie Reiten und Spaziergänge in der Maremma. Die Nähe zum archäologischen Park von Vulci, der reich an Geschichte ist, macht unser Angebot noch attraktiver.


Was die Nachhaltigkeit angeht, haben wir uns für eine plastikfreie Politik entschieden und verwenden statt Plastik andere Materialien wie Sonnenkollektoren und Holz. Bei NOBA setzen wir auch auf umweltfreundliche Lösungen, reduzieren den Verbrauch von Papier und Plastik und installieren Sonnenkollektoren, obwohl das in der Stadt nicht immer einfach ist. Nachhaltigkeit wird von unseren Kunden immer mehr geschätzt, und wir versuchen ständig, uns in diesem Bereich zu verbessern.
R: Glaubst du, dass COVID dazu geführt hat, dass sich das Glamping-Konzept schneller verbreitet hat, oder hat es eher abgeschreckt?
L: Ich denke, dass COVID definitiv dazu beigetragen hat, dass diese Einrichtungen entstanden sind. Als wir im Juni 2020 mit dem Glamping angefangen haben, waren die Zelte schon alle ausgebucht.
Glamping ist als einzigartige Erfahrung gedacht, anders als das “klassische” Hotel. Es bietet die Möglichkeit, Aktivitäten im Freien zu machen und ganz nah an der Natur zu sein. Die Gäste entscheiden sich dafür, in einem Zelt auf dem Land zu schlafen, um den Geräuschen und Klängen der Natur zu lauschen – kurz gesagt, eine echte Erfahrung.
Auch unsere Abteilung für Lebensmittel und Getränke ist echt wichtig. Unser Spa hat lokale Produkte von einem Unternehmen aus dem Bolsenasee im Angebot. Wir wollen unseren Gästen eine echte Erfahrung bieten.
Kommen wir zum Thema Online-Ruf: Wie wichtig ist dir das? Wie wichtig ist es, die Gästebewertungen zu analysieren und darauf zu reagieren?
L: Angesichts der Bedeutung des Online-Rufs für ein Hotel, wo Bewertungen mittlerweile von den meisten Gästen gelesen werden und ihre zukünftigen Buchungen beeinflussen, finde ich TrustYou ein echt umfassendes und benutzerfreundliches Tool.
Die Plattform liefert uns viele nützliche Infos, vor allem die Kundenzufriedenheit, und hilft uns, die Leistung unserer Abteilungen jeden Tag mehr und mehr zu verbessern. Auf Unternehmensebene hat jede Einrichtung ihre eigene Identität und Organisation, unabhängig von den anderen. Dieses Tool hilft uns dabei, die Leistung zu vergleichen, und ermöglicht es uns, wachstumsorientierte Einblicke zu gewinnen sowie die Leistung der Mitbewerber zu beobachten und zu verstehen.
Außerdem werden Bewertungen, vor allem die negativen, jetzt anders betrachtet als früher und sind eine echte Chance, um darüber zu reden und sich zu verbessern.
Kürzlich haben wir ein kritisches Problem gehabt, das uns ein Kunde gemeldet hat und das sich als echt herausgestellt hat. Deshalb mussten wir sofort was unternehmen. Diese Bewertungen geben uns die Chance, Probleme zu beheben, bevor sie wieder auftreten. Wir haben auch eine interne Regel, auf alle negativen Bewertungen zu antworten, damit wir einen offenen und konstruktiven Dialog mit unseren Kunden führen können.
Was sind deine beruflichen Zukunftspläne, vor allem mit Blick auf deine neue Rolle als Direktor von NOBA Hotels and Residences?
L: Durch den Umzug nach Rom kann ich jetzt viel enger mit dem Führungsteam und den Zentralbüros zusammenarbeiten.
Wir konzentrieren uns vor allem auf Verbesserungen bei der Infrastruktur und Organisation, wie zum Beispiel neue Verträge für Lieferungen und Dienstleistungen. Außerdem arbeiten wir daran, das Online-Image und den Ruf der Einrichtung zu verbessern. Wir haben schon die Fotos auf unseren Online-Kanälen aktualisiert und setzen Marketingstrategien um, um die Sichtbarkeit und Attraktivität für Kunden zu steigern.
Ich möchte auch ein paar Sachen aus meiner Erfahrung in der Glamping-Branche bei NOBA übernehmen, vor allem, dass das Team motiviert ist und nach und nach selbstständig die Unterkunft leiten kann. Ich bin echt davon überzeugt, dass die Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg in der Hotellerie sind. Langfristig möchte ich mich mehr und mehr im Backoffice und in der allgemeinen Koordination der Einrichtungen einbringen.
R: Wenn du dir die neuesten Trends in der Hotellerie ansiehst, wie zum Beispiel die zunehmende Nutzung von künstlicher Intelligenz und den Fokus auf Nachhaltigkeit, was denkst du, wird in den nächsten Jahren passieren? Welche Herausforderungen und Chancen siehst du in diesem Zusammenhang für Einrichtungen wie deine?
L: Ich bin mir sicher, dass sich die Hotellerie weiterentwickeln wird. Es wird immer eine Herausforderung sein, einen menschenorientierten Ansatz und die Servicequalität beizubehalten. Ich denke, dass künstliche Intelligenz im Backoffice-Bereich für die Datenanalyse und operative Verbesserungen echt nützlich sein kann, aber die Hotellerie bleibt eine Branche, die auf menschlicher Interaktion basiert: Technologie muss auf jeden Fall vorsichtig eingesetzt werden, damit die Servicequalität nicht leidet.
Was die neuen Trends in der Branche angeht, finde ich, dass einzigartige und authentische Erlebnisse immer beliebter werden und echt wichtig sind, um sich auf dem Markt abzuheben. Zusatzangebote wie Reiten oder Luxuspicknicks werden immer wertvoller, um das Kundenerlebnis zu verbessern. Sie bieten eine Möglichkeit, dem Alltag in der Stadt zu entfliehen und sich wieder mit der Natur zu verbinden, was viele Gäste echt schätzen.
Ein Interview von RES – Entwickler für das Gastgewerbe